Die Grundfrage der antiken griechischen Ethik lautet “Wie soll ich leben?” Damit ist nach dem moralischen Maßstab gefragt, mit dem das gute Leben bewertet wird. Diese Frage gerät jedoch seit Kants moralphilosophischer Handlungsfrage “Was soll ...

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2022
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도덕 ; 좋은 삶 ; 최고선 ; 행복 ; 행위목표 ; Moral ; das gute Leben ; das höchste Gut ; Glückseligkeit ; Handlungsziel
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KCI등재
학술저널
153-183(31쪽)
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Die Grundfrage der antiken griechischen Ethik lautet “Wie soll ich leben?” Damit ist nach dem moralischen Maßstab gefragt, mit dem das gute Leben bewertet wird. Diese Frage gerät jedoch seit Kants moralphilosophischer Handlungsfrage “Was soll ...
Die Grundfrage der antiken griechischen Ethik lautet “Wie soll ich leben?” Damit ist nach dem moralischen Maßstab gefragt, mit dem das gute Leben bewertet wird. Diese Frage gerät jedoch seit Kants moralphilosophischer Handlungsfrage “Was soll ich tun?”, in der es um die moralische Norm geht, zunehmend in den Hintergrund der philosophisch-ethischen Diskussion. Eine nähere Betrachtung zeigt jedoch, dass auch die kantische Frage letztlich auf die Frage nach dem guten Leben als Ziel des moralischen Handelns abzielt. Denn das höchste Gut als Ziel moralischen Handelns, das durch moralisch gutes Tun aus moralischen Motiven erreichbar ist, wird auch bei Kant wie zuvor in der antiken griechischen Ethik im ethischen Sinne thematisiert. Einige prominente heutige ethische Ansätze, insbesondere der Neoaristotelismus und die sog. kantische Diskursethik, vernachlässigen die Lehre vom höchsten Gut bei Kant, in welcher dieser den Bezug des guten Lebens auf die moralische Handlung ethisch darlegt. Stattdessen betrachten sie in Bezug auf Kant allein das rein empirische Glück als Gegenstand eines nicht-morlaischen bzw. außermoralischen Handelns. Wenn jedoch das höchste Gut als Lehre vom Endzweck der moralischen Handlung in der Auseinandersetzung mit Kant nicht hinreichend berücksichtigt wird, dann scheint Kant allein einen “einfachen Subjektivismus” zu vertreten, dem zufolge das gute Leben auf der faktischen Wunscherfüllung einer Person basiert, oder bestenfalls einen “reflektierten Subjektivismus”, in dem es um die ethische Reflexion über die Art und Weise jener Wunscherfüllung geht. Diese Interpretation ist zwar nicht vollkommen abwegig, aber sicher unvollständig. Dagegen muss daran festgehalten werden, dass Kant auf einen Begriff vom höchten Gut abzielt, in dem die Moral den Status eines notwendigen Bestandteils für das gute Leben hat. Somit kann auch für Kant die Frage nach dem guten Leben letztlich ihren systematischen Ort in einer Diskussion jenes “Objektivismus” finden, in welchem das gute Leben in Bezug auf das moralische Handeln konzipiert wird.
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